{"id":37381,"date":"2016-10-24T19:39:57","date_gmt":"2023-04-25T20:24:05","guid":{"rendered":"https:\/\/vdegallo.com\/?post_type=product&#038;p=37381"},"modified":"2025-05-06T15:55:56","modified_gmt":"2025-05-06T13:55:56","slug":"gustav-mahler-das-lied-von-der-erde-hedwig-fassbender-james-wagner-ensemble-contrechamps-armin-jordan-2","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/produit\/gustav-mahler-das-lied-von-der-erde-hedwig-fassbender-james-wagner-ensemble-contrechamps-armin-jordan-2\/","title":{"rendered":"Gustav Mahler: Das Lied von der Erde &#8211; Hedwig Fassbender, James Wagner &#8211; Ensemble Contrechamps, Armin Jordan"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gustav MAHLER: Das Lied von der Erde<\/strong><\/p>\n<p>Das Lied von der Erde: I. Das Trinklied vom Jammer der Erde &#8211; Das Lied von der Erde: II. Der Einsame im Herbst &#8211; Das Lied von der Erde: III. Von der Jugend &#8211; Das Lied von der Erde: IV. Von der Sch\u00f6nheit &#8211; Das Lied von der Erde: V. Der Trunkene im Fr\u00fchling &#8211; Das Lied von der Erde: VI. Der Abschied.<\/p>\n<p><strong>Hedwig Fassbender,<\/strong> Mezzosopran &#8211; <strong>James Wagner,<\/strong> Tenor &#8211; <strong>Ensemble Contrechamps, Armin Jordan,<\/strong> Leitung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.contrechamps.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.contrechamps.ch<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Gustav Mahler: Das Lied von der Erde, Transkription von Arnold Schoenberg und Rainer Riehn<\/strong><\/p>\n<p>Schoenberg begann die Transkription f\u00fcr Kammerensemble des <em>Lieds von der Erde<\/em> von Gustav Mahler im Herbst 1921. Sie war f\u00fcr die vom \u00abVerein f\u00fcr musikalische Privatauff\u00fchrungen\u00bb organisierten Abende bestimmt, welchen er 1918 in Wien gegr\u00fcndet hatte, damit die Musik seiner Zeit unter optimalen k\u00fcnstlerischen Bedingungen gespielt werde. Ziel des Vereins war es einerseits, das Konservative und die Routine des offiziellen Musiklebens zu durchbrechen, die schon Mahler als Intendant der Oper verurteilte und bek\u00e4mpfte. Andererseits ging es darum, die Vorurteile und die Kritiken der Presse zu beseitigen und die zahlreichen \u00abL\u00fccken\u00bb des Wiener Musiklebens auszuf\u00fcllen. Bereits Anfang 1921 hatte Schoenberg die <em>Lieder eines fahrenden Gesellen<\/em> (1884-85) f\u00fcr kleines Ensemble umgeschrieben; sie wurden im 43. Konzert des Vereins gespielt. Es ist bezeichnend, dass Schoenberg sich zu den zwei Werken Mahlers hingezogen f\u00fchlte, die von allen die st\u00e4rkste j\u00fcdische Pr\u00e4gung aufweisen. Er war auf seine urspr\u00fcngliche Religion zur\u00fcckgekommen, nachdem er sich mit 18 Jahren zum Protestantismus bekehrt hatte, sicher des Drucks des aufsteigenden Antisemitismus&#8216; wegen. In beiden Werken l\u00e4sst sich hinter der romantischen Figur des \u00abWanderers\u00bb unschwer die des ewigen Juden erkennen; und die Erde verk\u00f6rpert weder die Heimat noch den Boden f\u00fcr die kommende Nazimythologie, sondern den Ort einer unm\u00f6glichen Verwurzelung, eines Risses: eine unerreichbare, verlorene Erde. Diese Themen existieren bereits in Schoenbergs Werken. Es ist durchaus m\u00f6glich, dass der Autor der <em>Jakobsleiter<\/em> Mahlers Werk als Ausdruck seines eigenen Unbehagens und Unwohlseins empfand. Sechs Monate nach seiner Arbeit an den <em>Liedern eines fahrenden Gesellen<\/em> und sechs Monate vor der an dem <em>Lied von der Erde<\/em> wurde er aus der Salzburger Region &#8211; wo er normalerweise seinen Urlaub verbrachte &#8211; mit der Begr\u00fcndung ausgewiesen, er sei Jude und Juden seien dort unerw\u00fcnscht. Die zwei heftigen Briefe, die er 1923 an seinen alten Freund, den Maler Vassily Kandinsky schrieb, zeugen sowohl von der Wichtigkeit dieser biographischen Begebenheit, als auch von seiner Klarsicht bez\u00fcglich der tragischen Konsequenzen, die eine solche Zur\u00fcckweisung haben musste.[show_more more=&#8220;mehr anzeigen&#8220; less=&#8220;weniger anzeigen&#8220;]<\/p>\n<p>Die Arbeit am <em>Lied von der Erde<\/em> blieb beim Entwurf. Schoenberg hatte seine \u00abReduktionsprinzipien\u00bb auf der ersten Seite der Orchesterpartitur notiert und danach die Partitur bis Takt 178 des ersten Liedes ausgeschrieben. Innerhalb des Schoenbergischen Kreises wurden Aufgaben wie Reduktion, Transkription und Konzertvorbereitung als Kollektivarbeit angesehen: es ist also m\u00f6glich, dass er die Ausarbeitung f\u00fcr einen Assistenten vorbereitet hat. Der Prospekt des Vereins von November 1921 k\u00fcndet das Werk f\u00fcr die kommende Saison in einer Transkription von Webern an; man hat davon allerdings nie etwas gefunden. Das Aufgeben des Projekts ist sicher mit der Tatsache verbunden, dass der Verein seine T\u00e4tigkeit aus finanziellen Gr\u00fcnden einstellen musste.<\/p>\n<p>Die Idee, eine Orchesterpartitur f\u00fcr kleines Ensemble umzuschreiben, war noch sehr selten; sie kam auch im Rahmen des Vereins erst sp\u00e4t auf. Hingegen waren Klavierfassungen von Sinfonien (insbesondere diejenigen Mahlers, die regelm\u00e4\u00dfig auf dem Programm standen) gang und g\u00e4be. Schoenbergs Prinzipien der Reduktion fasst Rainer Riehn wie folgt zusammen: \u00ab&#8230;mit reduzierten Mitteln ohne Verlust zu retten.\u00bb Es geht nicht darum, das Original neu zu denken und zu formulieren (was Busoni mit einem Klavierst\u00fcck von Schoenberg &#8211; allerdings ohne diesen zu \u00fcberzeugen &#8211; versuchte), sondern darum, ins Herz der musikalischen Idee einzudringen, den musikalischen und spirituellen Kern des Werks zu erfassen. Indem er die verschiedenen Stimmen von der Orchestermasse trennt, unterstreicht Schoenberg ihre strukturelle Funktion und ihre Ausdruckskraft, im Einklang mit seinem eigenen Kompositionskonzept. Zugleich verst\u00e4rkt er eine Tendenz, die der Musik Mahlers &#8211; vor allem seit den <em>Kindertotenliedern<\/em> und der <i>5. Sinfonie<\/i> &#8211; eigen ist: die Suche nach einer instrumentalen Schreibweise, welche einerseits die polyphone Struktur hervorhebt und andererseits durch die Verwendung von kammermusik\u00e4hnlichen Kombinationen (wie zum Beispiel der Anfang der <em>Kindertotenlieder<\/em>) die schmeichelnden aber \u00fcberfl\u00fcssigen Orchestereffekte eliminiert.<\/p>\n<p>Mahlers strenge Schreibweise durchbricht die \u00c4sthetik der Imitation zugunsten der Distanzierung: bei ihm wird die Sentimentalit\u00e4t immer verfremdet, wie auch M\u00e4rsche und Landler. Die virtuose Behandlung des Orchesters, auf der Magie der Kl\u00e4nge basierend, macht den Anspr\u00fcchen der musikalischen Konstruktion und des inneren Ausdrucks Platz.<\/p>\n<p>Schoenberg respektierte die urspr\u00fcngliche Orchesterbesetzung in seiner Reduktion des <i>Lieds von der Erde.<\/i> Dieselben Farben und Klangverh\u00e4ltnisse wurden beibehalten: die Hauptstimmen sind von denselben Instrumenten besetzt. Harmonium und Klavier \u00fcbernehmen die Nebenstimmen und die fehlenden Instrumente: das Harmonium spielt die zweiten Stimmen der Bl\u00e4ser, das Klavier spielt gewisse Solostimmen, wie die der Trompete und der Harfe; beide vervollst\u00e4ndigen die Harmonie. Die reduzierte Besetzung soll dem Klang des Orchesters m\u00f6glichst gleichkommen, dabei ist nur das Klavier problematisch: seine Verschmelzung mit dem Gesamtklang h\u00e4ngt sehr vom Interpreten ab.<\/p>\n<p>Die Reduktion hebt eine weitere Charakteristik von Mahlers Satz hervor, die im gro\u00dfen Orchester oft untergeht: das Fehlen der Bassstimmen als harmonische und rhythmische Basis. Daraus entsteht ein freies Spiel der melodischen Figuren, welches sich zwischen Tonalit\u00e4t und Modus entfaltet und alles andere als einen akademischen Kontrapunkt erzeugt. Der ziselierte Charakter der Melodien in allen Stimmen wird durch Soloinstrumente und das Gewicht der Bl\u00e4ser im Verh\u00e4ltnis zu den Streichern hervorgehoben. Die Reduktion ist also gewisserma\u00dfen eine Analyse des Werks. Sie bezieht das Orchester Mahlers in die den Kompositionen der Wiener Schule so eigenen Sparsamkeit ein, ab der <i>1. Kammersinfonie Op. 9<\/i> von Schoenberg (1906) bis zu den Werken der drei Wiener anfangs der zwanziger Jahre. In ihr erscheinen greller und unmittelbarer als im Original der archaische Klangcharakter und die der Kindheit entrissenen musikalischen Figuren; die Mischung aus \u00abfin-de-si\u00e8cle\u00bb-Sentimentalit\u00e4t, existentieller Melancholie und Selbstironie, in einer Diatonik objektiviert, bricht mit dem wagnerischen Erbe. Der Ausdruck des Subjekts ist nur noch in der Distanz pathetisch, in der Zerbrechlichkeit einer von \u00abSchluchzen durchgesch\u00fcttelten Prosa\u00bb, wie Adorno so sch\u00f6n sagte. Die in einem Hauch angedeutete Einigkeit am Ende von \u00abAbschied\u00bb besiegelt nicht wie bei Wagner (<em>Isoldes Liebestod<\/em> klingt n\u00e4mlich im Hintergrund nach) eine letzte Vers\u00f6hnung mit der Welt, sondern eine unwiderrufliche Zerrissenheit, einen Verlust, eine Aufl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Die Beziehung zwischen Schoenberg und Mahler war auf Solidarit\u00e4t, Freundschaft und Bewunderung aufgebaut. Mahler unterst\u00fctzte den vom Wiener Establishment ausgesto\u00dfenen Komponisten bei Konzerten, wo dessen Werke Skandale ausl\u00f6sten. Auch finanziell half er ihm \u00f6fters. Schoenberg verteidigte Mahlers Musik mit viel Ehrerbietung bis zu seinem Tod und widmete ihm auch seine Harmonielehre (1911). Alma erz\u00e4hlt, dass Mahler noch auf seinem Sterbebett an ihn als seinen wahren spirituellen Sohn und Nachfolger dachte: \u00abWenn ich ihn verlasse, bleibt ihm niemand mehr!\u00bb<\/p>\n<p>Rainer Riehn hat den Entwurf Schoenbergs so wie er war wieder aufgenommen und die Partitur im Sinne des Komponisten vervollst\u00e4ndigt. Dabei hat er von seiner eigenen Arbeit \u00fcber die Lieder eines fahrenden Gesellen profitiert. Das Werk wurde 1982 unter seiner Leitung an den \u00abII. Toblacher Musikwochen\u00bb uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Philippe Alb\u00e8ra<\/em><\/p>\n<p>[\/show_more]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Extraits \/ Excerpts<\/strong><\/p>\n[playlist images=\"false\" ids=\"37377,37374,37371,37368,37365,37359\"]\n","protected":false},"featured_media":37358,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false},"product_brand":[],"product_cat":[5307,5251,5265],"product_tag":[],"class_list":["post-37381","product","type-product","status-publish","has-post-thumbnail","vde_composers-mahler-gustav_de","vde_interprets-contrechamps-ensemble_de","vde_interprets-fassbender-hedwig_de","vde_interprets-jordan-armin_de","vde_interprets-wagner-james-de","product_cat-cascavelle-de","product_cat-kleine-ensembles","product_cat-recital_de","first","outofstock","taxable","shipping-taxable","purchasable","product-type-simple"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/product\/37381","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/product"}],"about":[{"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/product"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37381"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37381"}],"wp:term":[{"taxonomy":"product_brand","embeddable":true,"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/product_brand?post=37381"},{"taxonomy":"product_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/product_cat?post=37381"},{"taxonomy":"product_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vdegallo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/product_tag?post=37381"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}