Mozart: Piano Concerto No. 20, K. 466 & No. 21, K. 467 - Philippe Entremont, Müncher Symphoniker

Extraits / Excerpts


CHF 18.50
Downloads

Mozart: Piano Concerto No. 20, K. 466 & No. 21, K. 467 - Philippe Entremont, Müncher Symphoniker

VEL3084

Wolfgang Amadeus MOZART: Piano Concerto No. 20 in D Minor, K. 466: I. Allegro – II. Romance – III. Allegro assai – Piano Concerto No. 21 in C Major, K. 467: I. Allegro maestoso – II. Andante – III. Allegro vivace assai.

Philippe Entremont, piano
Müncher Symphoniker

https://philippeentremont.com/


Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart ist das Kind eines Imperiums. Die Habsburger beherrschen ein Territorium, dessen Reichtum auf der kulturellen Vielfalt beruht. Kulturmosaik – Zusammenfluss der Kulturen in Folge seiner Monarchie – dessen Zusammenhalt durch eine bereits abliebende Monarchie garantiert wird; bietet Österreich die Genüsse des kulturellen Tummelplatzes: scharfer orientalischer Geschmack, zwei Gramm Nebel mit deutschem Fog, nahezu alles kutschiert hier einher, Geigen, Trommeln, Flöten und Hörner. Am 27. Januar 1756 in Salzburg erblickte Mozart zum ersten Mal das Licht der Welt im Kreise einer Artisansfamilie. Sehr früh beginnt seine Karriere als konzertierender Pianist, indem er unter elterlicher Führung durch Europa reist. Seine Lausbuben als konzertierender Bengel muss man nie vergessen. Ab 1762, und deutlich ab 1766, machte er sich aus jeder Aubade Nutzen, indem er seine musikalischen Kenntnisse bis hin zu den Söhnen Johann Sebastian Bachs anzapfte.

Zur Zeit der Entstehung der Klavierkonzerte, Nr. 20, KV 466 und Nr. 21, KV 467, also im Jahr 1785, hat Mozart endlich eine gewisse Reife erreicht. Er trennt sich von S. Durchlaucht Colloredo, dem Erzbischof von Wien, und der im Folge eines Verstoßes gegen die Disziplin kündigt. Neue Wege öffnen sich ihm, namentlich die des Künstlers, wobei seine Altersgenossen noch als Bedienstete des Hauses angesehen werden. Freie Schaffender ? Die Toleranz, dass es dieses Talents bewusst ist, erspart ihm die Auseinandersetzung mit den materiellen Erfordernissen; nicht das Gegenteil. So versucht er, über ein Netz von Beziehungen in Wien von seiner Kunst leben. Eine weibliche Person verlangt viel von ihm : Konstanze, die Schwester Aloysias, seine Jugendliebe. Ungeachtet der Warnungen seines Vaters heiratet Mozart dieses frivole Mädchen, das zu Vergnüglichkeiten mehr denn zum Musikhören aufgelegt ist. Sei es aus Ernsthaftigkeit oder einfach aus dem mit dem Zeitgeist geölten Neugier – viele Freidenker waren damals von den Ritualen der freimaurerischen Initiation fasziniert – schloss sich Mozart der Freimaurerei an. Im Februar 1785 besucht ihn sein Vater, wobei ihm zugleich die Anerkennung Joseph Haydns zuteil wird, der sich seinem Vater gegenüber lobendermassen äußerte: „Ich kann ehrlich sagen und vor Gott schwören, dass Ihr Sohn der größte mir bekannte Komponist ist, sei es vom Namen oder der Person her“. Die Vorführung des Konzerts KV 466 weckte in Leopold heftige Gefühle, umso mehr, als der Kaiser von Österreich den Komponisten öffentlich gelobt haben soll. Das Konzert KV 467 folgt unmittelbar danach, voll beladen mit dem ihm eigentümlichen Schwung, der in wenigen Takten schon zu Tage fördert, was die ganze Musik Mozarts ausmacht.

Es ist, als ob man beim Anhören dieser Werke aus einem Jungbrunnen steige, um im Ablauf der Harmonien im ewigen Sonnenschein zu baden. Eine leicht zu bewältigende Angelegenheit, kommt es dem entzückten Zuhörer vor.

Um diese zwei Stücke zu spielen, ist jedoch ein beträchtliches Talent erforderlich. Was gibt es denn Riskanteres, als eine solche, von so zarter Gnade erhellte Musik, die sowohl Zurückhaltung als auch Empfindsamkeit fordert. Die leidenschaftliche Liebe Philippe Entremonts zu Mozart beruht darauf, dass er sich der tiefen Abgründe, die sich hinter den gefälligen Formen von Trillern und Pirouetten verbergen, bewusst ist. Nichts wäre so verführerisch, die vorbildliche Laufbahn eines Pianisten von weltweitem Renommee zu beschwören: Pianistenkarriere im Alter von 16 Jahren, Marguerite Long-Preisträger drei Jahre später; dirigiert Philippe Entremont in regelmässigen Abständen das Wiener Kammerorchester und das Israelische Kammerorchester (er ist Ehrenstaatsbürger dieses Landes); erster Gastdirigent des Sinfonieorchesters von Radio Shanghai, weiterhin in den Vereinigten Staaten ist, wurde er auf natürliche Weise zum Direktor des Amerikanischen Konservatoriums in Fontainebleau ernannt. Das macht ihn zum Erben einer der Welt zugewandten französischen Tradition.

Die Frage ist nur, wie Entremont dies alles schafft. Es ist der zarte und doch bestimmte Anschlag, die warme Farbe, der bewirkt, dass sogar einem Fortissimo eine gewisse Zärtlichkeit anhaftet, und die Neigung, das Bedürfnis nach Aufbau seiner Interpretation: „Als Pianist, sagt er, trachte ich vor allem danach, die musikalische Absicht des Komponisten wiederzugeben. Jede Musikkunst hat seine eigene Architektur, die zu erkennen und auf natürliche Weise vorzutragen Aufgabe des Ausführenden ist.“ Wenn Philippe Entremont billige Effekthascherei verwarf, so bekannt er sich zur musikalischen Leidenschaft. So ist er in die beiden Mozartkonzerte wie in sein eigenes Reich eingetreten, wobei er, ohne den Anschein zu haben, uns nie erahnte Schönheiten entdecken und mit ihm teilen lässt.

Frédéric Casadesus

Übersetzung: Inès Claraz

CHF 18.50
Downloads