Abendständchen für Flöte solo - Franziska Badertscher

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Abendständchen für Flöte solo - Franziska Badertscher

GALLO DI-1728

Joseph LAUBER: Feux follets, Op. 47, No. 3 – Șerban NICHIFOR: Invocatio – Liana ALEXANDRA: Sonata No. 2 – Roger BOURDIN: La Chanson de Pan – Claude DEBUSSY: Syrinx, L. 129 – Kazuo FUKUSHIMA: Mei – Katherine HOOVER: Kokopeli – Marin MARAIS: Les Folies d’Espagne – Ruth SCHONTHAL: Theme and Variations – Francis POULENC: Un joueur de flûte berce les ruines, FP 114

Franziska Badertscher, Flöte.
https://franziskabadertscher.ch/


Die magische Flöte!

Die Flöte ist ein magisches Instrument. Dass ein Ton erklingt, wenn ein Gegenstand angeschlagen oder angerieben wird, ist offensichtlich; es ist eine Alltagserfahrung, die allen geläufig ist. Aber bei der Flöte ist das nicht der Fall – alles, was im Spiel ist, ist Luft. Und da man Luft zwar wahrnehmen, aber nicht sehen kann, wird sie von vornherein mit dem Geisterhaften, dem Magischen in Verbindung gebracht. Dieses Magische, vermeintlich Nichtkörperliche – Metaphysische –, umgibt und durchwirkt uns ein Leben lang: vom Anfang – wenn uns «der Hauch des Lebens» eingeblasen wird – bis zum Ende, wenn wir den «Hauch des Todes» spüren.

Auch der Hirtengott Pan erfuhr dies: Nachdem seine Angebetete, eine Najade namens Syrinx, sich in Schilf verwandeln liess, um ihrem Verfolger zu entgehen, sang der Wind so schön durch das Schilf, dass Pan ein Rohr herausschnitt und zu seiner Flöte machte. Nun konnte er seiner Geliebten «Leben einhauchen» – eine für Feministinnen und Feministen ziemlich fragwürdige Geschichte, denn sie beginnt mit einem Gewaltakt – dem Abschneiden des Rohrs und seinem Herauslösen aus seiner sozialen Umgebung – und endet mit einer klassischen Männerfantasie: Eine Frau erwache erst dann so richtig zum Leben, wenn ein Mann sie «spiele» …

In vielen der Stücke, die wir heute Abend hören dürfen, steht das Thema der Flöte als «magisches» Instrument im Zentrum. Die Reise durch den Zaubergarten beginnt mit Joseph Laubers «Irrlichtern», die uns aus der Spätromantik in die neuere Zeit (ver-)führen. Bei Nichifor gelangen wir an einen stillen Ort der Einkehr und Besinnung, bei seiner Ehefrau Alexandra begegnen wir einer entfesselten Palette verschiedenster Regungen. Ähnliches finden wir später bei Hoover, deren «Kokopeli» – der Name einer prähistorischen Hopi-Variante des Pan – wie ein Panoptikum der flötistischen Möglichkeiten klingt.

Auch Bourdin und Fukushima versuchen sich am Zauber des Mystischen, wobei bei Fukushima erwartungsgemäss die reich befrachtete Geschichte der japanischen Shakuhachi-Kunst Pate steht. Wie eine besinnliche Rückschau erinnern uns Marais’ «Folies d’Espagne» daran, dass fantasievolles Umherschweifen im musikalischen Labyrinth bereits zur Barockzeit möglich war.

Eine eigene Kategorie schuf Schonthal mit ihren «Variations». Einen anderen Variationszyklus hatte die Komponistin mit «Variations in Search for a Theme» überschrieben – «Variationen auf der Suche nach einem Thema». Das ist – neben einem wunderschönen Titel – gleichzeitig eine Höranleitung: Beginnen wir die Suche bei Lauber, halten wir dann mit Nichifor zunächst inne, um uns anschliessend auf all das Abenteuerliche einzulassen, das uns im Zaubergarten der Flöte umfängt, verführt, umtreibt, verunsichert und beglückt – und möglicherweise finden wir dabei unser eigenes Thema …

Dass ein Konzert für ein Soloinstrument nicht nur Komponist*innen und Interpret*innen, sondern auch die Zuhörenden herausfordert, muss hier nicht weiter betont, gelobt oder bewundert werden. Immerhin wird so viel klar: Nicht nur die Flöte ist ein magisches Instrument; auch diejenigen, die sie spielen, müssen über magische Kräfte verfügen.

David Wohnlich


Franziska Badertscher engagiert sich sowohl im klassischen Flötenrepertoire als auch in der zeitgenössischen und experimentellen Musik. Sie ist in der freien Improvisation tätig und betritt mit ihren oft überraschenden Ideen gerne Neuland.

In ihren Atelierkonzerten setzt Franziska Badertscher die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen in neue Beziehungen und verbindet sie miteinander. Ihr Schaffen ist von Forschergeist und dem Willen zum Wagnis geprägt. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Kammermusik. Sie spielt in verschiedenen festen Formationen und in vielen wechselnden Besetzungen.

Die Künstlerin engagiert sich in besonderem Masse für das schweizerische Musikschaffen und für die neue Musik. Dazu gehören Uraufführungen von Kammermusikwerken der Komponisten David Wohnlich, Robert Suter, René Gerber, Meinrad Schütter und John Frith. Viele dieser Kompositionen wurden Franziska Badertscher gewidmet.

Franziska Badertschers Name steht auch auf Chanson- und Cabaretprogrammen. An der Basler Fasnacht kann sie unter einer Larve erahnt, vielleicht sogar erspäht werden, wenn sie zu eigens für sie komponierten Märschen durch die Gassen zieht.

Flöte, Improvisation, Cabaret, Fasnacht, Chansons – Etiketten, die einengen und begrenzen und die Franziska Badertscher neu gestaltet, um sie immer wieder in überraschenden Zusammenhängen anzubringen.

Ausbildung:

Konzertdiplom bei Conrad Klemm, Musikhochschule Winterthur

Master of Improvisation, Musikhochschule Basel

Lehrdiplom bei Kiyoshi Kasai, Basel (SMPV)

Meisterkurse bei Maxence Larrieu, Trevor Wye und Robert Dick

Studienaufenthalt bei Robert Dick in New York

Workshop bei der Komponistin Pauline Oliveros

Nachdiplomkurs in freier Improvisation, Musikhochschule Basel

Gesangsausbildung bei Barbara Martig-Tüller, Bern


GALLO DI-1728 Booklet.pdf

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