Ravel: Sämtliche Klavierwerke – Philippe Entremont (2 CD Box)

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Ravel: Sämtliche Klavierwerke – Philippe Entremont (2 CD Box)

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Ravel: Sämtliche Klavierwerke – Philippe Entremont

CD 1:
Maurice RAVEL: Menuet Antique, M. 7 – Pavane pour une infante défunte, M. 19 – Jeux d’eau, M. 30 – Sonatine, M. 40: I. Modéré – II. Mouvement de menuet – III. Animé – Miroirs, M. 43: I. Noctuelles – II. Oiseaux tristes – III. Une barque sur l’océan – IV. Alborada del gracioso – V. La vallée des cloches – Sites auriculaires, M. 8*: Habanera – Sites auriculaires, M. 13*: Entre cloches – Ma mère l’Oye, M. 60*: I. Pavane de la Belle au bois dormant – II. Petit Poucet – III. Laideronnette, Impératrice des pagodes – IV. Les entretiens de la Belle et de la Bête – V. Le jardin féerique.

CD 2:
Maurice RAVEL: Gaspard de la nuit, M. 55: I. Ondine – II. Le Gibet – III. Scarbo – Menuet sur le nom d’Haydn, M. 58 – Valses nobles et sentimentales, M. 61: I. Modéré, très franc – II. Assez lent, avec une expression intense – III. Modéré – IV. Assez animé – V. Presque lent, dans un sentiment intime – VI. Vif – VII. Moins vif – VIII. Épilogue. Lent – À la manière de Chabrier, M. 63, No. 2 – À la manière de Borodine, M. 63, No. 1 – Prélude, M. 65 – Le tombeau de Couperin, M. 68: I. Prélude – II. Fugue – III. Forlane – IV. Rigaudon – V. Menuet – VI. Toccata.

Philippe Entremont, Klavier.
* Laura Mikkola, Klavier.

https://philippeentremont.com/


Sämtliche Klavierwerke — Die Klaviermusik von Maurice Ravel

Sämtliche Klavierwerke – Im Rahmen dieses Projekts wollte Philippe Entremont in seiner neuen Gesamteinspielung der Klaviermusik Maurice Ravels die „Inédits“ nicht aufnehmen, weil sie nicht dem Perfektionsanspruch des Komponisten entsprachen. In seiner „Esquisse autobiographique“ erwähnt Ravel kurz die „Sérénade grotesque“ und fügt sogleich hinzu: „Im Jahr 1895 schrieb ich meine ersten veröffentlichten Werke: das Menuet antique und die Habanera für Klavier. Ich meine, dieses Werk enthält im Keim mehrere Elemente, die später in meinen Kompositionen vorherrschen sollten.“

Im „Menuet antique“, 1895 komponiert und 1899 veröffentlicht, und in der „Pavane pour une infante défunte“, 1899 komponiert und im folgenden Jahr publiziert, ist der Einfluss Emmanuel Chabriers noch deutlich zu spüren. In der Pavane bezaubert die Melodie, und dieses Stück hat der Zeit wunderbar standgehalten.

„Jeux d’eau“ (1901) sind – so Ravel in seiner „Esquisse autobiographique“ – „der Ursprung all jener pianistischen Neuerungen, die man in meinem Werk hat bemerken wollen. Dieses Stück, angeregt durch das Geräusch des Wassers und die musikalischen Klänge von Springbrunnen, Kaskaden und Bächen, beruht auf zwei Motiven im Sinne eines ersten Sonatenteils, ohne sich jedoch einem klassischen Tonalplan zu unterwerfen.“

Die „Sonatine“ (1903–1905) besteht aus drei Sätzen: Modéré, Mouvement de menuet, Animé. Zum zweiten Mal greift Ravel auf die Form des Menuetts zurück – nicht, um sie zu imitieren, sondern um sie zu erneuern. Im ersten Satz der Sonatine, dessen Thema im dritten wiederkehrt, findet man die Vortragsanweisungen: „sehr expressiv… leidenschaftlich“.

Mit den „Miroirs“ wird ein neuer Schritt getan. Wieder nach der „Esquisse autobiographique“: „Die Miroirs (1905) bilden eine Sammlung von Klavierstücken, die in meiner harmonischen Entwicklung eine so beträchtliche Veränderung markierten, dass sie Musiker, die bis dahin an meine Art gewöhnt waren, befremdete. Das früheste – und meines Erachtens typischste – ist das zweite Stück des Bandes: ‚Les Oiseaux tristes‘. Darin rufe ich Vögel herauf, die in der Schwüle eines sehr dunklen Waldes während der heißesten Stunden des Sommers verloren sind.“

Die „Noctuelles“ (grau- oder braunfarbene Nachtfalter) sind das musikalische Äquivalent eines Satzes von Léon-Paul Fargue: „Die Nachtschmetterlinge der Schuppen fliegen mit unbeholfenem Flug davon und klammern sich an andere Balken.“

In seinem Buch über Klaviermusik bemerkt Guy Sacre, der Mittelsatz kündige den späteren „Gibet“ aus „Gaspard de la Nuit“ an – so wie in „Les Oiseaux tristes“ die „bohrenden, wiederholten Töne“. Die „impressionistischste“ Seite ist „Une barque sur l’océan“, wo das Spiel des Lichts auf den Wellen mit geschmeidiger Beweglichkeit evoziert wird. „L’Alborada del gracioso“ (Morgenständchen des Spaßmachers) ist ebenso leidenschaftlich wie verzweifelt und borgt seine scharfen Rhythmen von der Gitarre. „La Vallée des cloches“ beschließt die Sammlung in ruhiger Gelassenheit.

„Gaspard de la Nuit“ (1908) ist von drei Prosagedichten Aloysius Bertrands inspiriert: „Ondine“, „Le Gibet“, „Scarbo“. Näher am Text kann Musik kaum sein, und doch übersteigt sie ihn und wird zu musikalischer Poesie, die weit über bloße Illustration hinausgeht: das Rinnen des Wassers in „Ondine“, der tragisch-unerbittliche Puls des „Gibet“, das hüpfende Scherzo und die Schattenspiele in „Scarbo“ – das ist das Klavier in all seiner Flüssigkeit, seiner tiefen Resonanz und seiner Lebhaftigkeit. Jenseits der Virtuosität aber steht jenes Paradox, das Ravel im Hinblick auf „Scarbo“ eingestand: „Ich wollte eine Karikatur der Romantik zeichnen… vielleicht habe ich mich hinreißen lassen.“

Das „Menuet sur le nom de Haydn“ (1909) ist ein Gelegenheitsstück im Rahmen einer kollektiven Huldigung. Ebenso zählen das „Menuet“, „À la manière de… Borodine, Chabrier“ (1911) und das vom Pariser Konservatorium für eine Vom-Blatt-Prüfung bestellte „Prélude“ (1913) zu den kleineren Seiten – ohne darum weniger aufschlussreich zu sein.

Über die „Valses nobles et sentimentales“ (1911) schrieb der Komponist selbst: „Der Titel ‚Valses nobles et sentimentales‘ deutet meine Absicht an, eine Kette von Walzern nach dem Vorbild Schuberts zu komponieren. Auf die Virtuosität, die den Kern von ‚Gaspard de la Nuit‘ bildet, folgt eine deutlich geklärte Schreibweise, die die Harmonik verhärtet und die Reliefs der Musik schärfer zeichnet.“ Die Uraufführung fand – ohne Namensnennung der Autoren – bei einem Konzert der S.M.I. statt und wurde von Protesten und Buhrufen begleitet; das Publikum stimmte über die Zuschreibung jedes Stücks ab und sprach Ravel die Urheberschaft der Walzer mit knapper Mehrheit zu. „Die Siebte scheint mir die charakteristischste.“

Zum „Tombeau de Couperin“ (1914–1917) sagte Ravel schlicht: „Die Huldigung gilt in Wirklichkeit weniger Couperin allein als vielmehr der französischen Musik des 18. Jahrhunderts.“

Neben den Werken für Klavier solo schrieb Ravel für zwei Klaviere die „Sites auriculaires“ („Habanera“ und „Entre cloches“), Stücke aus den Jahren 1895 und 1897, und für Klavier zu vier Händen 1908 und 1910 die entzückende „Suite de Ma Mère l’Oye“, die später ein Ballett wurde. Für zwei Klaviere und eine fünfte Hand ist „Frontispice“ (1918) eine ebenso kurze wie merkwürdige Seite.

Ravels Weg steht im Zeichen von Weisheit und Kühnheit, von Treue zu sich selbst und Entdeckergeist. Seine Klavierschrift, von Liszt hergeleitet, ist ebenso ökonomisch wie diejenige Chopins. Ein Gedanke – mosaikartig verteilt – wird bis an seine äußersten Grenzen geführt; und doch bleibt eine Einheit gewahrt, die sich jeder Versuchung zur Zersplitterung widersetzt.

Und schließlich, vor allem: das Leben. Diese Musik, selbst in Trauer und Tragik, geht voran – das hat Philippe Entremont sehr gut verstanden.

Jean Roy

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