Froberger : organiste de l’Empereur - Lionel Desmeules

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Froberger : organiste de l’Empereur - Lionel Desmeules

GALLO CD-1780

Johann Jacob FROBERGER: Toccata II in D Minor, FbWV 102 – Canzona II in G Minor, FbWV 302 – Toccata XX in A Minor, FbWV 120 – Ricercar VII in D Minor, FbWV 407 – Capriccio XVI in F Major, FbWV 516 – Fantasia I sopra Ut-Re-Mi-Fa-Sol-La, FbWV 201 – Canzona V in C Major, FbWV 305 – Toccata XI in E Minor, FbWV 111 – Fantasia IV sopra Sol-La-Re, FbWV 204 – Capriccio VI in C Major, FbWV 506 – Toccata XVI in C Major, FbWV 116.

Lionel Desmeules, Orgel.


Biographie

Lionel Desmeules ist ein Musiker, der das Paradoxe kultiviert. Vom Akkordeon kommend, gelangte er zur Orgel, nicht ohne einen Umweg über die Violine, bevor er sich dem Cembalo und anschließend dem Clavichord zuwandte – und, den Umständen entsprechend, auch ein wenig dem Klavier.

Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, singt er und widmet sich gelegentlich dem Dirigieren. In der Einsamkeit stiller Rückzugsorte beschäftigt er sich immer intensiver mit der Komposition, die er bereits seit seiner Kindheit ausübt. In der Stille, die nur vom Kratzen der Feder auf dem Papier unterbrochen wird, findet er die Ruhe, die er für sein Wohlbefinden benötigt.

Die Musik

Das Werk von Johann Jakob Froberger gliedert sich – neben einigen Vokalwerken – in zwei große Bereiche: Einerseits die französisch inspirierten Stücke, die gewöhnlich auf dem Cembalo gespielt werden, andererseits die italienisch geprägten Werke, die sowohl auf dem Cembalo als auch auf der Orgel erklingen. Aus diesem zweiten Bereich stammen die Werke unseres Programms.

Es geht keineswegs darum, vollständig zu sein – auch wenn zufällig jede vom Komponisten gepflegte Gattung in diesem Programm vertreten ist –, sondern vielmehr darum, jedes einzelne Stück als eigenständiges Kunstwerk zu betrachten. Zugleich bildet das Ganze ein in sich geschlossenes und stimmiges Gesamtwerk. Statt jedes Detail zu beschreiben, wollen wir dieses Programm wie einen Weg durch eine Berglandschaft durchwandern – ein monticidium Frobergeri. Nehmen wir den Alpenstock zur Hand und brechen wir auf.

Alles beginnt mit der strahlenden Toccata in d FbWV 102. Sie folgt der typischen Form jener Toccaten, die Froberger während seiner Aufenthalte in Rom kennengelernt hatte. Eine kleine Eigenheit des Komponisten ist die weiße Notation der battuta allegra. Im Grunde gleicht dieses Werk einer prächtigen, von den Jahren geformten Eiche.

Es folgen zwei exzentrischere Stücke. Die Canzona in g FbWV 302 entfernt sich zwar von der Canzona alla francese, deren Thema traditionell vom französischen Zehnsilber inspiriert ist, führt jedoch bereits im ersten Abschnitt die Chromatik ein. Die Toccata in a FbWV 120 setzt die vorhergehende Canzona fort und fasst deren Kühnheiten in eine ernste Form. Der zweite fugierte Abschnitt verliert den Hörer in einem Labyrinth aus Ästen und Blättern, die sich im Wind bewegen. Um den Stamm der Eiche hat sich Efeu geschlungen.

Nach diesem erstaunlichen Triptychon führen uns die strengeren Formen des Ricercar in d FbWV 407 und des Capriccio in F FbWV 516 zu einer gewissen Ruhe zurück. Der Weg bleibt üppig und reich, doch sein Verlauf ist klar erkennbar. Girolamo Frescobaldi hat in Froberger einen Schüler gefunden, der seinem Unterricht würdig ist.

Nun folgt das Glanzstück: die große Fantasia in C sopra Ut Re Mi Fa Sol La FbWV 201. Die Vegetation lichtet sich, die Sonne scheint heller, der Weg wird steiler. Oben erwarten uns eine überwältigende Aussicht und der berauschende Eindruck der Höhe.

Zwei chromatische Abschnitte, einer aufsteigend, der andere absteigend, laden zur Rast ein. Die kleine Canzon in G FbWV 305 erfrischt uns wie ein Glas Chartreuse.

Die Toccata in e [per l’Elevazione] FbWV 111 versetzt uns für einen Augenblick an die Seite der Katze des heiligen Philipp Neri, des einzigen Zeugen der Verzückungen ihres Herrn vor dem Allerheiligsten Sakrament nach der Wandlung während seiner Privatmesse. Man erzählt, dass der Heilige dort stundenlang im Gebet verharrte. Der Ministrant hatte sich daran gewöhnt, sich leise zurückzuziehen.

Die Fantasia in G sopra Sol La Re FbWV 204 kann als eine Art musikalische Signatur des Komponisten gelten. Sie verbirgt das Motiv la–sol–fa–re–mi als einfache Antwort auf das Hauptthema. Dieses kleine Motiv wurde ihm wohl von seinem Lehrer vermittelt, der es seinerseits von seinen Vorgängern übernommen hatte – die Geschichte reicht bis zu Josquin Desprez zurück. Froberger ist verspielt und lässt sich keiner Kategorie zuordnen: zwischen Frankreich und Italien, zwischen Katholizismus und Protestantismus, zwischen Tanzformen und strengem Kontrapunkt.

Das Capriccio in C FbWV 506 beginnt mit einem vollständig chromatischen Thema – hier haben wir den Vergleich vielleicht etwas überstrapaziert –, zunächst aufsteigend, dann absteigend. Der Tag neigt sich seinem Ende zu, und die Müdigkeit macht sich bemerkbar. In den Wolken zeichnen die letzten Sonnenstrahlen beinahe unwirkliche Farben. Uns wird schwindlig in einer sesquialtera alquanto più allegra, bevor das Werk mit der wohl reizvollsten Melodie endet – unserer Lieblingsmelodie.

Unsere Reise endet mit der brillanten Toccata in C FbWV 116. Auch hier haben die Lehren des Organisten des Papstes ihre Früchte getragen: Form, Kontrapunkt, Figuren, stravaganze, battuta allegra und Schlussrede sind bewundernswert ausgewogen und kunstvoll gestaltet.

Die Wirklichkeit holt uns wieder ein. Die Glocke der Kirche, die wir in der Ferne sehen, läutet zum sakramentalen Segen. Der Organist steigt von der Empore herab und kehrt, nachdem er sich vor dem Altar verneigt hat, in die Welt und ihre Eitelkeiten zurück, während er diese frei nach Alessandro Striggio übernommenen Worte murmelt:

„Non ho meco il core, ma teco stassi in compagnia d’Amore.“


CD-1780 Booklet.pdf

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